01. September 2010 von Thomas Bierling
Ich mache mir schwer Sorgen um unsere Demokratie, und das meine ich jetzt ernst.
Gestern las ich über ein neues Buch zum Thema Schwarmintelligenz. Eine einzelne Ameise oder Biene ist im Vergleich zum Menschen sicherlich nicht sehr intelligent. Aber in der Gruppe sind sie zu enormen Leistungen fähig. Daß sie in der Gruppe besondere Fehlleistungen begehen, tritt praktisch nicht auf. Ganz anders jedoch beim Menschen. Die Fähigkeit, in der Gruppe besondere Dummheiten oder gar Verbrechen zu begehen, ist in ihrer Art einmalig im Tierreich. Oder, kürzer gesagt: Keiner von uns ist so dumm wie wir alle zusammen.
Da ist was dran. Man kennt das aus vielen Bereichen. Ob im Kleinen in einem Verein oder in einer Firma – oft werden vom Kollektiv Entscheidungen abgenickt, über die am Ende jeder einzelne den Kopf schüttelt. Oder gleich im Großen, wo Nationen Kriege führen und sich gegenseitig ausrotten, obwohl niemand es anschließend gewollt hat.
Ich komme gerade jetzt darauf, weil ich in unserer lokalen Online-Zeitung eine Umfrage zu den Thesen von Herrn Sarrazin gelesen habe. Die mag nicht repräsentativ sein, aber erschütternd ist es trotzdem. 54% stimmen ihnen voll zu, 24% kritisieren lediglich seine Wortwahl, lediglich 22% finden sie falsch. Also fast 80% Zustimmung in der Bevölkerung. Andere Umfragen kommen zwar auf niedrigere Werte, aber die Tendenz ist eindeutig.
Ich habe ja neulich schon ausführlich dargelegt, warum ich Sarrazins Thesen für gefährlich halte, das möchte ich nicht nochmal alles wiederholen. Ich fürchte vor allem die unkontrollierte kollektive Eskalation, die aus der Summe dieses (für jeden einzelnen vielleicht nachvollziehbaren) Unmutes entstehen kann. Was mich an unserem Parteiensystem ausnahmsweise einmal positiv überrascht, ist die schnelle und konsequente Ablehnung quer über alle Parteigrenzen hinweg, von der NPD einmal abgesehen. Sonst neige ich ja eher dazu, die Volksferne der Parteien zu beklagen, aber jetzt wiederum erscheint mir das als wichtiges Korrektiv.
Aber darf die Politik den Willen des Volkes auf diese Art abdämpfen? Schließlich ist das Volk der oberste Souverän, und der einzig legitime, der mir momentan einfällt.
Ich bin ratlos. Eigentlich bin ich ein überzeugter Demokrat und würde mir mehr direkte Demokratie wünschen. Ich bin sogar einem entsprechenden Verein beigetreten. Aber andererseits fürchte ich, daß ein „Drittes Reich“ jederzeit und in jedem Land wieder möglich wäre, mit allen Konsequenzen, und das sogar per Volksentscheid. Wollen wir das?
Ich frage mich, wie eine bessere Staatsform aussehen könnte. Hat jemand eine Idee?
Tags: Demokratie, Sarrazin, Schwarmintelligenz, Staatsform
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01. September 2010 von Thomas Bierling
Daß es bei den diversen Doku-Soaps im deutschen Unterschichten-TV nicht immer so ganz mit rechten Dingen zugeht, hat sich ja mittlerweile rumgesprochen.
Mit welcher Dreistigkeit (und offenbar Schamlosigkeit) die Produzenten selbst damit umgehen, zeigt mir die unten folgende Mail, die mich neulich erreichte. Die geben sich nicht einmal Mühe, diese Fakes zu verschleiern und reden ganz offen darüber.
Natürlich habe ich mich NICHT beworben und eine ziemlich böse Antwort geschrieben. Daraufhin nichts mehr gehört;-)
Armes Deutschland… so etwas schafft sich leider nicht ab.
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Sehr geehrter Herr Bierling,
durch Recherche bin ich auf Ihre Homepage aufmerksam geworden. Ich suche im Zuge meines Jobs immer wieder nach interessanten Menschen, mit interessanten Berufen/ Hobbys etc., die Lust hätten bei unserer Sendung “mieten,kaufen,wohnen” (VOX) mitzumachen. Wir würden uns freuen Sie für unsere Sendung gewinnen zu können. Neben einer kleinen Aufwandsentschädigung können Sie unsere Sendung auch in jedem Fall als Eigen-PR nutzen. Wir würden Ihre Tätigkeit dann bei unserer Immobiliensuche vordergründig mit aufgreifen.
Ich habe gesehen, dass Sie ja auch schon etwas Medienerfahrung haben.
Wir, die Fandango Film TV GmbH, sind eine freie Kölner Film- und Fernsehproduktionsfirma, die Doku-, Reality-, Show- und Fictionformate für den deutschen Fernsehmarkt produziert. Zu unseren Sendungen gehören u.a. “Mein Traumhaus am Meer” und “Menschen, Tiere und Doktoren” (bei VOX).
Zurzeit produzieren wir für VOX die Makler-Doku mit dem Titel “mieten, kaufen, wohnen” in der fünften Staffel. In diesem Format begleiten wir Menschen bei ihrer Suche nach ihrer Traumimmobilie und stellen ihnen pro Sendung zwei potenzielle Immobilien vor. Begleitet werden die Käufer von einem von uns gecasteten Makler/Moderator. Unsere Sendung wird zu einer attraktiven Sendezeit im Vorabendprogramm von VOX ausgestrahlt ( Mo-Fr 18.00 Uhr ) und ist bereits in den ersten Staffeln mit großem Erfolg vom Publikum aufgenommen worden.
Falls Interesse besteht bei uns mitzuwirken (auch wenn Sie aktuell keine Immobilie suchen
), melden Sie sich einfach unverbindlich bei mir zu einem kleinen Vorgespräch. Der Dreh ist bereits für die KW 30 in Karlsruhe mit unserer Makler-Moderatorin Frau xxx geplant, aber sollte der Termin nicht passen würden wir auch gerne zu einem anderen Termin mit Ihnen drehen wollen.
Bei etwaigen Fragen erreichen Sie mich jederzeit telefonisch unter der 0221-xxxx.
Über eine Rückmeldung würde ich mich sehr freuen.
Mit freundlichen Grüßen,
xxx
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Tags: Doku-Soap, Fake, Unterschichten-TV
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25. August 2010 von Wilfried Rottler
„Wenn ich den Muezzin hören will buche ich eine Reise ins Morgenland“. Diese und noch viele weitere kernige Aussagen über mangelnden Integrationswillen, überdurchschnittliche Arbeitslosigkeit und unterdurchschnittliche Bildung druckt zur Zeit jeden Tag die Bild-Zeitung aus dem neuen Buch von Sarrazin mit dem Titel: Deutschland schafft sich ab.
Heute ging es um die Ausländer, morgen, so kündigt Bild an, soll es um Erziehung und Bildung gehen. Sarrazin prangert alles an was in Deutschland falsch läuft. Irgendwo in dem Text wird auch sicher stehen wie es richtig geht. Seiner Meinung. Oder auch ganz sicher, wahrscheinlich gehört er zu denjenigen die die Wahrheit gepachtet haben. So schreibt Sarrazin heute in der Bild davon, dass die Ausländer sich unterdurchschnittlich an der Bildung beteiligen, die Welt Kompakt schreibt hingegen, dass türkische Eltern sehr bildungsbewusst seien.
Was ja immer besonders gut als populärwissenschaftliche Prosa beim geneigten Leser ankommt sind Rückgriffe auf Modelle aus Zeiten, die vermeintlich prächtig funktioniert haben. So bemüht Sarrazin sowohl die Chinesische Mauer als auch den Limes als Bollwerke gegen Überfremdung bei den alten Chinesen beziehungsweise bei den Römern.
Mit den Chinesen kenne ich mich nicht so aus, aber die Römer waren wohl die ersten, die eine aktive Integrationspolitik betrieben haben. Durch Heirat, Aufnahme von Fremden in die Legion, gemischten Siedlungen und Bündnispolitik. Auf andere Art und Weise, mit einer Trennung nach Römer und Nicht-Römer, ohne Integrationspolitik, hätten sie ihr riesiges Reich nie regieren und verwalten können.
Mir wäre es recht, wenn ich morgens den Muezzin und die Kirchenglocken hören könnte. Und das ist meines Erachtens auch die Aufgabe unserer Politiker. Die Rahmenbedingungen für eine Gesellschaft herstellen, die den Gegebenheiten der heutigen Welt gerecht wird und dafür sorgt, dass die Menschen in Frieden leben können.
Das schlimmste negative Beispiel für 50 Jahre Versagen der Politik sind Israel und Palästina. Seit einem halben Jahrhundert verkaufen die Politiker ihren jeweiligen Völkern Lösungsansätze die einfach nicht machbar sind. Warum die Herrschaften von ihrer Bevölkerung nicht schon lange ins Mittelmeer gejagt worden sind ist mir ziemlich rätselhaft. So unterschiedlich dieser Konflikt im Nahen Osten zu unserem auch im ersten Moment aussieht, es gibt Ähnlichkeiten. Israel kann nicht so tun als würde es kein Leid und Unrecht in Palästina geben, und Palästina kann Israel nicht abschaffen.
Wir können nicht so tun als wären wir alleine auf dieser Welt und könnten still in unserem Hinterhof leben ohne uns mit fremden Kulturen auseinandersetzen zu müssen.
Wirklich blühende Gesellschaften mit Wohlstand für alle Geschichten hat es immer dann gegeben, wenn es Austausch zwischen den Kulturen stattfand. Wenn es ein friedliches Miteinander gegeben hat.
Wenn einer weiß wie wir dieses Ziel erreichen können kann er das gerne beschreiben. Von mir aus auch in der Bild-Zeitung. Die Überschriften sind ja groß genug, so dass man auch vorsichtig aus der Ferne kontrollieren kann ob immer noch Sarrazin proletet, oder wirklich mal jemand eine gute Idee hatte.
Tags: Ausländer, Integration, Sarrazin
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25. August 2010 von Thomas Bierling
Es wundert mich nicht, daß sich zum Ausklang des Sommerlochs wieder einmal der Herr mit dem sehr germanischen Namen zu Wort meldet und sein geistiges Sarazenenschwert wider die Muselmanen schwingt: „Deutschland schafft sich ab“.
Ich glaube, der Mann möchte einfach mit vollen Bezügen in den vorzeitigen Ruhestand geschickt werden anstatt selbst zu kündigen. Anders kann ich mir nicht erklären, was ihn immer wieder zu diesen Äußerungen treibt. Der übermäßige Einsatz des Verstandes kann es jedenfalls nicht sein.
Das Gefährliche daran ist vor allem, daß Herr Sarrazin sehr viele Wahrheiten sagt. Viele Aussagen sind, für sich betrachtet, einfache Tatsachenfeststellungen, denen man nicht widersprechen kann. Das macht es dem Stammtisch natürlich leicht – „endlich sagt’s mal jemand“ und „man muß doch noch sagen dürfen“ – wir kennen das. Da kann Herr Sarrazin noch so sehr beteuern, daß er nicht rechtsextrem sei und es nur gut meine – er wird damit freiwillig oder unfreiwillig zum geistigen Brandstifter in diesen Kreisen, und das müßte ihm auch bewußt sein, denn so dumm ist er dann doch wieder nicht.
Doch mit der Herstellung sinnvoller Kausalzusammenhänge oder gar dem Ziehen der richtigen Schlußfolgerungen hat es Herr Sarrazin nicht so sehr. Er lästert über die ausländische Unterschicht und holt sich damit Zustimmung bei der inländischen, die auch kein anderes Verhalten an den Tag legt. Das ist an Absurdität kaum zu überbieten.
Wahrscheinlich ist es richtig, daß die hier lebenden Ausländer mehr Kinder kriegen als Deutsche. Würde man dies auf die jeweilige soziale Schicht beziehen, wäre der Unterschied aber schon nicht mehr so groß. Man muß das auch nicht am Glauben oder am Kulturkreis festmachen, das Vermehrungs- und Sozialverhalten ändert sich mit zunehmenden Bildungsgrad ganz unabhängig von der Herkunft. Wenn wir in gleichem Maße „White Trash“ aus den USA importiert hätten, wären die Probleme die selben.
Nein, wir haben kein Einwanderungsproblem. Wir haben ein generelles Problem damit, daß es für die „bildungsfernen“ Schichten immer weniger zu tun gibt in einer Welt, in der alle einfachen Tätigkeiten mehr und mehr wegrationalisiert werden.
Aber dieses Problem ist auch durch Bildung nicht zu lösen. Dahinter steckt eine ganz andere Wahrheit, die von allen Politikern und Medienleuten gemieden wird wie die Pest: Nicht jede(r) ist auch bildungsfähig. Der gute Wille alleine reicht nicht, ein gewisses Mindestmaß an Intelligenz gehört eben auch dazu. Die Intelligenz der (in- und ausländischen) Bevölkerung folgt einer Normalverteilung, das kann man nicht weg-bilden. Die Frage, was die Gesellschaft mit diesen Menschen tun soll, ist leider ungelöst. „Nicht hereinlassen“ im Sinne des Herrn Sarrazin ist dafür keine Lösung, ebenso gut könnte man die deutschstämmige Unterschicht ausweisen wollen – aber wohin?
Es bleibt auch das Problem, daß sich die weniger intelligenten Menschen offenbar stärker vermehren als die Intelligenten, was von Herrn Sarrazin ach so mutig ausgesprochen wird. Aber auch hier bleibt er eine Lösung schuldig. Wie sollte diese auch aussehen – Zwangssterilisation für Schulabbrecher womöglich? Zuzutrauen wäre es ihm.
Aber ich glaube nicht so recht an die fortschreitende Verdummung. Der Zusammenhang mag sich vordergründig aus der Vererblichkeit der Intelligenz und den unterschiedlichen Geburtenraten ableiten lassen, aber die Evolution der Menschheit als ganzes widerspricht dem wiederum: Wäre die Verdummung ein natürlicher Vorgang nach diesem Muster, so hätten wir ja niemals intelligente Menschen hervorbringen können. Also auch hier nicht zu Ende gedacht.
Desweiteren bedauert Herr Sarrazin die kulturelle Überfremdung durch Moslems. Nun, wahrscheinlich würde Herr Sarrazin heute lieber noch im steinzeitlich-germanischen Langhaus leben. Die kulturelle Invasion durch die Römer hätte er zur damaligen Zeit vermutlich auch verdammt. Aber auch die Römer sind untergegangen wie jede Kultur vor und nach ihnen. Die Geschichte ist voll von Dynamik und Wanderungen. Das ist weder gut noch schlecht, sondern unvermeidbar. Auch unsere Kultur wird sich wandeln und in 100 oder 200 Jahren völlig anders sein. Ob muslimisch oder anders geprägt, das kann sowieso niemand vorhersagen. Letztendlich ist es auch egal, denn wenn in ein paar Milliarden Jahren die Sonne zum Roten Riesen wird, ist sowieso alles weg.
Auch Herr Sarrazin.
Tags: Ausländer, Intelligenz, Migration, Sarrazin, Überfremdung, Unterschicht
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24. August 2010 von Thomas Bierling
Eben habe ich gelesen, daß es in der Schweiz eine Bewegung gibt, die über ein Volksbegehren die Todesstrafe wieder einführen möchte.
Ich frage mich, für welche Delikte – wahrscheinlich für den Verkauf von Bank-Daten…
Tags: Bank, Schweiz, Todesstrafe
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